Der Mann als Beziehungsspezialist
- von Michel Knorr -

Jungen brauchen
einen Vater, einen Mann,
der Beziehungen genauso viel Aufmerksamkeit schenkt wie Dingen;

einen Vater, einen Mann,
der lernt, Gefühlszuständen und Zwischentönen von Situationen einen Ausdruck zu geben, sie beim Namen nennt;

einen Mann, einen Vater,
der seinen Körper sinnlich begreift und all seinen Körperteilen Namen geben kann, die sich für ihn gut anhören;

einen Mann, einen Vater,
der für sein Verhalten und dessen Wirkung auf andere die Verantwortung übernimmt - in seiner Arbeit, in der Politik, in seiner Familie;

einen Mann, einen Vater,
der, wenn er etwas zusagt, es auch hält, und wenn er es nicht hält, sagen kann: es tut mir leid - ein Mann - ein Wort; .

einen Mann, einen Vater,
der andere Männer wertschätzt und respektiert und wenn notwendig, auch mit ihnen konkurrieren und sich durchsetzen kann;

einen Mann,
der Homosexualität als eine mögliche Lebensform zulässt, homosexuelle Menschen kennt und sie in sein Leben einbezieht;

einen Mann,
der weiß, was einen Liebhaber ausmacht, der gegenwärtig im Moment ist, seinen inneren Regungen folgt und auf die Resonanz seiner Partnerin achtet, der seinen Gefühlen und Instinkten traut, weil er mit ihnen ver"traut" ist, und der die Frauen achtet und seine Unsicherheiten und alten Verletzungen nicht zu überspielen braucht;

einen Mann, einen Vater,
der einen Freund hat, mit dem er Abenteuer teilen und bei Krisen Unterstützung finden kann, der weiß, wie man diese Freundschaft pflegt, damit er nicht all seine Probleme zur Frau trägt und sie damit überlädt.

Seine Kinder brauchen einen Vater und einen Mann - und keinen Helden!

Worte, Worte, nichts als Worte: neu oder schon so oft gehört?
Frauen kümmern sich weiterhin mehr um andere als die Männer es tun. Andere zu pflegen, zu unterstützen, sich um sie zu kümmern ist ein wesentlicher Bestandteil menschlichen Zusammenlebens. Rollentausch und Absichtserklärungen einzelner privilegierter Positionen, ändern daran nichts, dass viele Männer wenig um die zentrale Bedeutung dieser Rolle wissen.

Männer stehen vor der Schwierigkeit, als Jungen nicht gelernt zu haben, wie enge Beziehungen zu pflegen sind. Unsere Kultur verstärkt diesen Werdegang, dass Pflege wenig gewährt schätzt wird und Engagement im häuslichen Bereich "schlecht angesehene Rollen" sind.

Jede Veränderung in der Kindererziehung z.B. durch den Vater bringt zudem Implikationen für die Mutter. - Wird der Vater aktiver, könnten die Eltern um Bereiche konkurrieren: welche Expertenbereiche bleiben dann der Frau, wo sie sich auszeichnen und Bedeutung erlangen kann?!

Jede Veränderung verlangt, dass Männer Frauen und Frauen Männern zuhören: Wenn ich Väter motiviere, bei ihren Frauen nachzufragen, dann sagen diese, dass Väter nicht genügend Zeit für Pflege und Erziehung ihrer Kinder aufbringen und dass ihre Art Vater-Erziehung sprunghaft sei: Väter halten lange Arbeitszeiten, Ermüdung und enge Mutter-Kind-Beziehungen dagegen.

Neben der Psychologisierung von Mechanismen steht die Tatsache, dass Gleichstellung der Geschlechter politische Strukturveränderungen notwendig macht und das geht nicht ohne Geld. Doch es würde ungeheure Summen von Geld kosten! Und es gibt keine Lobby auf der Männerseite, die für das einsteht, was ich eingangs für einen "guten" Vater und Mann forderte.