Über die Notwendigkeit von Männerberatung
Die gegenwärtige Gesellschaft ist noch überwiegend eine Männerwelt, aber die Männer sind nicht mehr eindeutig das „starke" Geschlecht. Während sie große Teile ihrer traditionellen Domänen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft  noch in der Hand haben, ist zugleich seit einigen Jahren von der Krise der männlichen Identität, von notwendiger Männeremanzipation, von der Verunsicherung des Mannes oder von einem `neuen´ Mann die Rede. Frauen fordern das Ende ihrer ausreichend  bekannten Benachteiligungen und eine Veränderung des ungleichen Geschlechterarrangements.

Die neuere materielle Unabhängigkeit von Frauen hat den Emanzipationsprozess von Frauen und in der Folge auch von Männern gefördert und in vielen Beziehungen zu Krisen geführt. Hollstein spricht von der „Entmännlichung" des Mannes. Er geht davon aus, dass sich Männer und Frauen gegenseitig bedingen, „die Aktionen des Einen provoziert die Reaktion des Anderen".
Dementsprechend bedeutet der soziale Aufstieg der Frauen erst einmal den historischen Abstieg der Männer. Männer müssen sich verändern, weil die neuen gesellschaftlichen Verhältnisse sie einfach dazu zwingen. Männerberatungsstellen nehmen in diesem Kontext einen wichtigen Platz ein. Es muss für Männer die Möglichkeit geben, neue Erfahrungen in einem geschützten Rahmen alleine und im Kontakt mit anderen Männern machen zu können und Unterstützung und Hilfen  zu bekommen.
Bei diesen Prozessen brauchen Männer und Jungen kompetente und annehmende Unterstützung, alleine führt der Weg in die Sackgasse.

In dieser Neuorientierung liegt aber auch eine große Chance für Männer, denn diese Auseinandersetzungen um Veränderungen erschließen neue, stressfreiere Möglichkeiten des Mannseins.
Dass Männer von einer gerechteren Geschlechterverteilung in Beruf und Familie
profitieren werden, muss noch an vielen Stellen deutlich gemacht werden. Hier herrschen noch Ängste vor, Einfluss zu verlieren, Privilegien abgeben zu müssen; Männer sehen noch zu wenig, was sie hinzugewinnen können. Nur wenn auch „win-win-Situationen" entstehen können, also Frauen und Männer für sich Profit und Gewinn aus den angestrebten Veränderungen erschaffen, kann Gender Mainstreaming wirklich erfolgreich sein.

1 Hollstein, W.: „Nicht Herrscher aber kräftig", Hamburg 1989 (Hoffmann und Campe), S. 23.