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Über die Notwendigkeit von Jungenarbeit
Eine Aufsehen erregende These ist in der Fachliteratur und der Presse der letzten Jahre zu finden. Sie besagt: Unterstützung und Hilfen brauchen heute nicht mehr die Mädchen, sondern die Jungen. Entsprechende Schlagzeilen lauteten: „Einsame Erben der Cowboys"; „Jungen - die Verlierer der Moderne"; „Jungen - Monster mit Milchgesichtern"; „Arme Jungs!!"; „Jungen heute - Nachlaßverwalter der Machos". Es ist selbstverständlich, dass beide, Mädchen wie Jungen, in ihrer Identitäts- und Geschlechtsentwicklung Hilfen brauchen. Von daher ist es unerlässlich, dass die Beratungsstelle für Männer auch die pädagogische und therapeutische Arbeit mit Jungen in ihr Konzept aufnimmt.
Jungen sind führend in den Statistiken, bezogen auf Krankheiten bei Vorsorgeuntersuchungen und bei den meisten psychosomatischen Störungen. Immer mehr Jungen sind Lernversager. Sie bleiben häufiger sitzen und stellen unter den Schulabgängern ohne Schulabschluss die große Mehrheit. Sie schaffen seltener das Abitur; dafür steigt ihr Anteil in den Sonderschulen. Jungenarbeit ist deshalb notwendig und sollte hauptsächlich prophylaktischen Charakter haben. Für Jungen, die sich mit ihrer Geschlechts- und Identitätsrolle auseinander setzen wollen sowie für Jungen, die Schwierigkeiten im Umgang mit ihrer Aggression haben, muss es deshalb auch eine adäquate Beratung im Einzel- oder Gruppensetting geben.
2 Von der EU 1997 beschlossene Gleichstellungspolitik zusätzlich zur bisherigen Frauenförderungspolitik. Es geht um die wirkliche Gleichstellung von Männern und Frauen mit dem Ziel der Geschlechterdemokratie. Gleichstellungspolitik wurde damit zu einer Querschnittsaufgabe für alle Politikbereiche. 3 Vogel, G.: „Immer gut drauf", in: Ideenbuch zur jungenspezifischen Suchtprävention, Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern, e.V. München, S. 11 ff.
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